Rasseportrait Mastin de los Pirineos


Die Geschichte des Mastin de los Pirineos

Die Pyrenäen sind die Heimat des mächtigen spanischen Gebirgshundes, der sowohl Mastin de los Pirineos als auch Perro Mastin del Pirineo, Mastin Pirenaico, Mastin d´ Aragon und Mastin dell Aragò genannt wird. Sein ursprüngliches Verbreitungsgebiet erstreckt sich vom Golf von Biskaya bis zum Golfe du Lion. Man kennt den attraktiven Vertreter der Hundewelt auf der spanischen und auf der französischen Seite der Pyrenäen.

Der imposante und überaus attraktive Hunderiese ist vermutlich ein direkter Nachfahre der Herdenschutzhunde, die seit über 3000 Jahren auf der iberischen Halbinsel lebten. Ihr Ursprung geht auf die Zeit zurück, in der die Schafzucht eine der Haupteinnahmequellen araginischer Nomaden war.

Die nomadischen Völker vertrauten auf große kräftige Hunde, welche die Schafherden vor Wölfen und Bären schützen mussten. Hungrige vierbeinige (und zweibeinige) Räuber lauerten fast überall und die Nomaden konnten nicht riskieren, einen Teil ihrer Schafherde zu verlieren.

Extreme Lebensbedingungen

Das Arbeitsumfeld stellte höchste Anforderungen an die Herdenschutzhunde: Sie mussten selbständig arbeiten und Feinde abschrecken beziehungsweise in die Flucht schlagen, ohne dabei die Herde aus den Augen zu verlieren oder sie gar im Stich zu lassen. Kraft, Mut, Ausdauer, Intelligenz, eine unumstößliche Treue gegenüber der Herde sowie Wachsamkeit zählten zu den wichtigsten charakterlichen Attributen.

Die Hunde, deren empfindliche Kehle durch ein massives mit Stacheln besetztes Halsband geschützt wurde, mussten über eine hohe Reizschwelle verfügen und wirklich nur dann angreifen, wenn Gefahr drohte, zumal der Hund im Ernstfall das hohe Risiko einging, selbst verletzt zu werden und dadurch u.U. sein Leben zu verlieren. Seine bloße Gegenwart, seine Imposanz, seine Wachsamkeit und sein kraftvolles und abschreckendes Bellen stellten bereits ein hohes Maß an Schutz für die Herde dar. Ein übersteigertes Aggressionsverhalten, das sich eventuell sogar noch gegen den Hirten richtete, war undenkbar und absolut unerwünscht. Ein guter Herdenschutzhund sollte wachsam und zugleich sanft zu "seinem Rudel" bzw. seiner Herde sein, auf die er von Welpenalter an sozialisiert wurde.

Die klimatischen Bedingungen erforderten eine robuste Gesundheit, ein pflegeleichtes Fell und eine vorzügliche Widerstandskraft gegenüber den härtesten Witterungsbedingungen. Die Nomaden trieben ihre Herden jahreszeitlich bedingt auch auf hoch gelegene Weiden oder aber in tiefliegende Täler. Die Temperaturunterschiede waren enorm: Eisiger Wind und klirrende Kälte wechselten sich mit sengender Sonne ab.

Der drohende Untergang

Als sich die Anzahl der in den Pyrenäen lebenden Wölfe und Schafe drastisch reduzierte, ebbte auch das Interesse an imposanten Herdenschutzhunde ab. Der spanische Bürgerkrieg tat sein übriges: Nach jahrelangen Kriegswirren ging es vielen Spaniern finanziell schlecht und nur die wenigsten konnten es sich leisten, einen Hunderiesen durchzufüttern.

Die Population der Herdenschutzhunde schrumpfte von Jahr zu Jahr und um Haaresbreite wären diese wundervollen Riesen vollständig verschwunden. Eine kleine Anzahl überlebte auf spanischen Haciendas, wo man die freiheitsliebenden Hunde überwiegend als Wach- und Kettenhunde hielt.

Die Rettung der Rasse

1946 manifestierte sich endlich kynologisches Interesse an den imposanten Hunderiesen. Die Spanier unterteilten alle spanischen Herdenschutzhunde in einzelne Rassen und begannen mit einer kontrollierten Zucht. 1977 erfolgte die Gründung des spanischen Club del Mastin del Pirineo, der sich die Wiederbelebung der Rasse zum Ziel setzte. Die Mitglieder des Clubs durchkämmten die Pyrenäen und suchten intensiv nach den letzten typvollen Exemplaren. Mit Erfolg. Dennoch belief sich die Anzahl der Eintragungen 70er Jahren lediglich auf 24 Hunde. Das allgemeine Interesse war einfach noch zu gering.

Anfang der 80er Jahre ging es allmählich bergauf: Schweden zeigte als erstes nichtspanisches Land Interesse am Mastin de los Pirineos und initiierte gezielte Zuchtprogramme, die leider durch ein verstärktes Auftreten der Hüftgelenksdysplasie (HD) beeinträchtigt wurden. Finnland und Norwegen folgten den Schweden auf den Fuß und auch in Frankreich ließ sich ein wachsendes Interesse an der traditionellen Rasse verzeichnen. Nach und nach erzielte man auch außerhalb Spaniens durchaus zufriedenstellende Zuchtergebnisse.

1980 wurde der Mastin de los Pirineos zuchtbuchlich erfasst. Eine Publikation des FCI-Rassestandards folgte 1982. Seit 1995 wird diese Rasse auch in Deutschland vom Verband für das Deutsche Hundewesen e.V. (VDH) betreut und gezüchtet.

Der Charakter

Instinktsicher und freundlich

Mastin de los Pirineos gelten als ausgeglichene, treue Hunde mit einem zuverlässigen Charakter. Ihr grenzenloser Mut und ihre enorme Ausdauer, ihre Loyalität, Instinktsicherheit und Kraft lassen keinen Zweifel daran, dass ihre Vorfahren äußerst effektive Herdenschutzhunde waren.

Trotz dieser wehrhaften Eigenschaften erweisen sich artgerecht gehaltene und gut sozialisierte Mastin als sehr menschenbezogen und ruhig.

Der sanfte Riese braucht einen engen Kontakt zu seiner Familie und sollte keinesfalls in einem Zwinger leben. Soziale Kontakte sind überaus wichtig für sein Wohlbefinden: Kinder werden freundlich akzeptiert und dürfen ausgelassen mit dem schwergewichtigen Spielkameraden herumtoben. Obwohl ein Mastin de los Pirineos die ihm anvertrauten Kinder aufrichtig liebt und sie gegen jegliche Gefahr beschützen würde, sollte man ihn – genau wie jeden anderen Hund auch – nicht unbeaufsichtigt bei Kindern lassen. Der menschliche Nachwuchs muss erst einmal lernen, mit einem Hund umzugehen und schlägt bei den ersten Versuchen häufig über die Stränge.

Artgenossen und anderen Haustieren gegenüber erweisen sich gut sozialisierte Mastin de los Pirineos als ausgesprochen verträglich und gutmütig.

Die Erziehung erfordert Fingerspitzengefühl

Mastin de los Pirineos haben den Ruf, relativ leicht erziehbar zu sein. Allerdings beruht der Erziehungserfolg auf einem partnerschaftlichen Verhältnis zwischen Hund und Halter und lässt sich keinesfalls durch überzogene Strenge oder gar körperliche Züchtigungen erreichen. Ein Mastin gehorcht aus reiner Zuneigung zu seinem Besitzer.

Geht dieser verständnisvoll und mit liebevoller Konsequenz mit seinem Hund um, wird er die besten Ergebnisse erzielen.

Man sollte immer daran denken, dass Mastin de los Pirineos seit jeher selbständig arbeitende Hunde waren. Ihnen allein oblag der Schutz der Herde, mit der sie häufig lange Zeitspannen allein gelassen wurden.

Sie mussten entscheiden, ob Gefahr drohte oder nicht und richteten ihre individuellen Reaktionen mehr nach dem eigenen Instinkt als nach den Anweisungen des Hirten aus. Von selbständig agierenden Hunden kann man keinen "Kadavergehorsam" erwarten. Sie wurden nicht dazu gezüchtet, dem Menschen aufs Wort zu gehorchen. Trotz allem: Mit Konsequenz und Einfühlungsvermögen lassen sich auch einem Mastin die Grundlagen der Erziehung nahe bringen und es ist wichtig, dass der Hunderiese seinen Besitzer bedingungslos akzeptiert und lernt, welches Verhalten erwünscht, welches jedoch unerwünscht ist.

Es ist sogar durchaus denkbar, mit ihm eine Begleithundeprüfung abzulegen. Vom Schutzdienst sollte man allerdings prinzipiell absehen.

Für wen ist der Hunderiese geeignet?

Der Mastin de los Pirineos ist ein ausgezeichneter Familienhund, der eine für große Hunde hohe Lebenserwartung von 10 bis 15 Jahren hat. Allerdings sollten einige Grundvoraussetzungen gegeben sein, damit er sich im Kreise seiner Lieben auch wirklich wohlfühlt: Aufgrund seiner Größe ist er keinesfalls der optimale Hund für das Leben in einer kleinen Stadtwohnung. Ein Haus mit Garten, den der Hund nach Belieben aufsuchen kann, entspricht schon eher einem mastingerechten Lebensumfeld. Entsprechend muss sei Halter ggf. Sorge für eine Umzäunung tragen, auch kann das wachsame Bellen des Hundes zu Verstimmungen in der Nachbarschaft führen.

Der Hunderiese liebt den Kontakt zu seinen Menschen und darf keinesfalls vom Alltagsleben ausgeschlossen oder sogar in einen Zwinger gesperrt werden. Isolation und eine nichtartgerechte Haltung würden den intelligenten Vierbeiner zu einem seelischen Krüppel und damit möglicherweise zu einer Gefahr machen.

Aufgrund seines pflegeleichten Fells eignet sich ein Mastin auch für Hundehalter, die sich nicht täglich stundenlang durch die Haarpracht ihres Lieblings arbeiten wollen. Sein Fell ist sozusagen selbstreinigend: Verschmutzungen lassen sich leicht ausbürsten. Das Fell hinter den Ohren und die Hose müssen allerdings intensiver gepflegt werden, da es relativ leicht verfilzt. Es ist empfehlenswert, das Fell einmal täglich zu kämmen, dann macht es stets einen gepflegten Eindruck.

Mastin de los Pirineos genießen ausgedehnte Spaziergänge und lieben es, das ihnen anvertraute Revier zu bewachen. Während der Dämmerung ist ihr Wachinstinkt besonders stark ausgeprägt und man vernimmt ihr tiefes wohlklingendes Bellen, sobald sich Fremde nähern.


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