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Volker Bouffier hätte also am vergangenen Wochenende einen weiten Bogen um die Ronneburg machen müssen, führte der Streit um die Aufnahme dieser Hunde in eine sogenannte Rasseliste doch vor die höchsten deutschen Gerichte. Und wer läßt sich schon gerne durch simple Inaugenscheinnahme eines Besseren belehren, wenn ein Gesetz einmal auf dem Weg ist? Dies alles war indes nur Thema am Rande des Mastifftreffens vor der Kulisse der Ronneburg. Gut 30 Hunde mit samt Anhang waren für drei Tage nach Hessen gekommene. Und jedem der Hunde und Herrchen sah, der wußte gleich: Es müssen schon wahre Enthusiasten sein, die sich solchen Riesenhunden verschrieben haben. Denn ein Spielzeug ist ein Mastiff natürlich noch viel weniger als jedes andere Haustier. Aus allen Ecken Deutschlands waren die Freunde dieser Riesenrasse angereist, rund 40 Personen aus Hamburg, Bremen, Köln, Kaiserslautern; mit ihnen kamen 35 Mastiff im Alter zwischen 12 Wochen (Welpen) und 10 Jahren (Senioren). Sie erfuhren zu aller erst einmal in Langenselbold die Gastfreundschaft des Tryp-Hotels. Es muss dies unterstrichen werden, denn manchmal ist es schon schwierig, mit einem Dackel ein Hotelzimmer zu bekommen. Als die Organisatoren dann gleich 30 Hunde anmeldeten, da waren sie beim Rest der Hotellerie schon nach dem zweiten Satz abgeblitzt. So war denn Langenselbold Standquartier und rund um die Ronneburg fand dann das Treffen statt. Es war dies es indes nicht nur wegen der freundschaftlichen Beziehungen der Hundebesitzer untereinander ein Familientreffen, auch zahlreiche Hundeeltern trafen dort ihren Nahwuchs wieder.
Hatte es am Freitag noch geregnet, so begann der Samstag mit strahlendem Sonnenschein. Ein Omen! Bereits ab 10 Uhr hatten sich die ersten Mastiff eingefunden und es gab ein großes „Hallo“ und „wie geht’s? Was macht der Hund“ etc. Nach der Begrüßung durch den 2.Vorsitzenden des Club für Molosser, Hermann Lock, ging es in den nahe gelegenen Burgwald zum Spaziergang. Vorneweg tollten die Junghunde, in der Mitte die schon etwas ruhigeren erwachsenen Mastiffs und zum Schluss kamen die Senioren. Von allen Teilnehmern wurde der frühlingshafte Ronneburger Wald gelobt - und überhaupt: die Burg erst! So etwas kennt man ja nicht in Deutschlands hohem Norden. Alle waren von der historischen Baulichkeit und ihrem Ambiente tief beeindruckt. Bei der Rückkunft auf der Burg wurde dann auch sogleich die Terrasse des Burgrestaurants in Beschlag genommen. Es waren immer rund 15 bis 20 Hunde bei Ihren Herrchen und Frauchen und lagen kreuz und quer zwischen der Bestuhlung umher. Eine wahre „Mutprobe“ für den unbedarften Burgbesucher, der da ahnungslos um die Ecke kam. Allerdings war nach kürzester Zeit das Eis gebrochen. Was das denn für eine tolle Rasse sei, wollte man wissen und wie schwer sind die denn? Sind die nicht gefährlich und viele, viele Fragen zu den Hunden. Alles wurde gerne und bereitwillig beantwortet. Der „Old English Mastiff“, so heißt er richtig, ist eine uralte Hunderasse, die erstmals von einem römischen Geschichtsschreiber im Jahr 94 vor Christi erwähnt wird. Damals hatten Römer gerade Britannien erobert und diese Hunde bei den Kelten entdeckt.
Der Name
Mastiff stammt wahrscheinlich aus dem
Niederdeutschen und kommt von „Masteve“, was
soviel bedeutet wie „großer, plumper Hund“. Nun,
gar so plump sind sie aber gar nicht, die „Gentle
Giants“, die freundlichen Riesen unter den
Hunderassen. Ein Rüde bringt locker 95 bis 100
kg auf die Waage, einige Exemplare auch bis 120
Kilo. Und die Hündin kann auch schon mal 70 bis
80 Kilo aufweisen. In Deutschland leben derzeit
etwa 500 bis 600 Exemplare, in Hessen gerade
einmal 10. Zum Vergleich: Der Schäferhund als
deutsches „Urgestein“ ist erst rund 110 Jahre
alt und mit 320000 Tieren die am weitesten
verbreitete Rasse hierzulande. „Eigentlich
Schade, dass der Mastiff so selten ist. Wenn
alle Hunde so wären . . .“, so die Meinung eines
Besuchers auf der Ronneburg. Der Mastiff wurde
in seiner Heimat Großbritannien im Mittelalter
als Jagdhund gegen wehrhaftes Wild (Bären,
Wölfe, Wildscheine) eingesetzt; aber auch als
Wächter von Haus und Hof leistete er seinen
Besitzern stets zuverlässige Dienste. In den
mittelalterlichen Feldzügen bewachte er die
Heerlager und Wagenburgen vor feindlichen
Angriffen. Seinen letzten Einsatz als
„Kriegshund“ leistete er im 1.Weltkrieg an der
Westfront als Zughund für englische
Maschinengewehrwagen ab. Heute ist der Mastiff
ein ausgesprochener Familienhund, seine überaus
ruhige Art und seine gelassene Erhabenheit,
Hunderte von Ronneburg-Besuchern konnten sich
davon überzeugen, machen ihn zu einem der
beliebtesten Rassehunde überhaupt. Allerdings
nur für echte Freunde dieser Rasse. Sein hoher
Preis ist die erste Hürde, denn wegen seiner
Seltenheit muss man für einen Welpen schon bis
zu 2000 Euro rechnen. Auch die politisch bedingt
hohen administrativen Hürden bei der Haltung
halten seinen Bekanntheitsgrad gering. Immerhin
gilt der Mastiff in Hessen als „gefährlich“ Und
dies, obwohl bislang noch niemals ein Mastiff
negativ auffällig geworden ist! Und weil für die
Gefährlichkeit eines Hundes viel mehr als das
Tier selbst der verantwortlich ist, der da am
andern Ende der Leine steht, müssen die
Mastiff-Freunde wohl ganz besonders besonnene,
gutmütige und Hunde erfahrene Menschen sein. Um
so schöner ist es von den Besitzern der Riesen,
dass sie dennoch nach Hessen gereist sind!
Zuhause in Hamburg oder Rheinland-Pfalz sind sie
ganz normale Hunde. In Hessen ist das anders.
Siehe oben. So ist sie halt bisweilen, die
Landespolitik in Deutschland. „Nur gut“. meinte
einer der Mastiff-Besitzer, „dass sich die hohen
Herren mit Wirtschaft, Rente, Arbeitslosigkeit
und Krankenkassenbeiträgen besser auskennen als
mit Hunden!“ Der Liebe zum Mastiff indes tun
auch hessische Gesetze wahrlich keinen Abbruch,
wie auf der Ronneburg anschaulich demonstriert
wurde. Also zurück zur Ronneburg. Mittags ging
es zur Besichtigung der Burg. „Ganz toll ist das
gewesen!“, was die nette Führerin den
Teilnehmern zur Geschichte da berichtet hat. Und
wirklich, jetzt kannte das Erstaunen über so
eine tolle Burg keine Grenzen mehr. Man war voll
des Lobes für den Förderverein Ronneburg, die
Aufnahme wurde durchweg als herzlich empfunden,
die Führung war kurzweilig und die Organisation
perfekt.
ENDE (gez. der Vorstand der AG-Mastiff)
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