Bericht zum Ag Treffen am  24. / 25 . April 2004 Drei Dutzend „freundliche Riesen“ strafen ein Gesetz Lügen
 




Ein Mastiff-Treffen auf der Ronneburg führte Hundefreunde aus ganz Deutschland nach Hessen – Hier gilt ihr Liebling jedoch als „gefährlicher“ Hund

Die Ronneburg hat in ihrer mehrhundertjährigen Geschichte schon vieles gesehen. Es dürfte also kaum etwas geben, was nicht schon durch das imposante Burgtor ein- und ausgegangen ist. Doch was sich da am letzen Wochenende tat, das versetzte selbst langjährige und treue, von zahllosen Ritterturnieren und Kunsthandwerkermärkten gestählte Burgbesucher in Erstaunen: Weit über zwei Dutzend auffällig große Hunde mitsamt Frauchen, Herrchen und sonstigem Familienanhang hatten von der Burg Besitz ergriffen. Völlig Friedlich natürlich! Und so friedlich, dass selbst der Kulturwart der Burg, Eckhard Schwandt, ins Staunen geriet. Selbst von der Gastronomie, andernorts stets skeptisch wenn man mit Hund kommt, war zu hören, dass noch nie so viele Hunde so friedlich beieinander waren. Groß sind sie nämlich die Mastiffs. Sie gehören zur Rasse der Molosser und sind, geht es nach dem Hessischen Innenminister, alles andere als friedlich. Für ihn sind sie eine gefährliche Hunderasse, deren Haltung an ebenso scharfe wie fragwürdige Auflagen geknüpft ist.

Volker Bouffier hätte also am vergangenen Wochenende einen weiten Bogen um die Ronneburg machen müssen, führte der Streit um die Aufnahme dieser Hunde in eine sogenannte Rasseliste doch vor die höchsten deutschen Gerichte. Und wer läßt sich schon gerne durch simple Inaugenscheinnahme eines Besseren belehren, wenn ein Gesetz einmal auf dem Weg ist? Dies alles war indes nur Thema am Rande des Mastifftreffens vor der Kulisse der Ronneburg. Gut 30 Hunde mit samt Anhang waren für drei Tage nach Hessen gekommene. Und jedem der Hunde und Herrchen sah, der wußte gleich: Es müssen schon wahre Enthusiasten sein, die sich solchen Riesenhunden verschrieben haben. Denn ein Spielzeug ist ein Mastiff natürlich noch viel weniger als jedes andere Haustier. Aus allen Ecken Deutschlands waren die Freunde dieser Riesenrasse angereist, rund 40 Personen aus Hamburg, Bremen, Köln, Kaiserslautern; mit ihnen kamen 35 Mastiff im Alter zwischen 12 Wochen (Welpen) und 10 Jahren (Senioren). Sie erfuhren zu aller erst einmal in Langenselbold die Gastfreundschaft des Tryp-Hotels. Es muss dies unterstrichen werden, denn manchmal ist es schon schwierig, mit einem Dackel ein Hotelzimmer zu bekommen. Als die Organisatoren dann gleich 30 Hunde anmeldeten, da waren sie beim Rest der Hotellerie schon nach dem zweiten Satz abgeblitzt. So war denn Langenselbold Standquartier und rund um die Ronneburg fand dann das Treffen statt. Es war dies es indes nicht nur wegen der freundschaftlichen Beziehungen der Hundebesitzer untereinander ein Familientreffen, auch zahlreiche Hundeeltern trafen dort ihren Nahwuchs wieder.

Hatte es am Freitag noch geregnet, so begann der Samstag mit strahlendem Sonnenschein. Ein Omen! Bereits ab 10 Uhr hatten sich die ersten Mastiff eingefunden und es gab ein großes „Hallo“ und „wie geht’s? Was macht der Hund“ etc. Nach der Begrüßung durch den 2.Vorsitzenden des Club für Molosser, Hermann Lock, ging es in den nahe gelegenen Burgwald zum Spaziergang. Vorneweg tollten die Junghunde, in der Mitte die schon etwas ruhigeren erwachsenen Mastiffs und zum Schluss kamen die Senioren. Von allen Teilnehmern wurde der frühlingshafte Ronneburger Wald gelobt - und überhaupt: die Burg erst! So etwas kennt man ja nicht in Deutschlands hohem Norden. Alle waren von der historischen Baulichkeit und ihrem Ambiente tief beeindruckt. Bei der Rückkunft auf der Burg wurde dann auch sogleich die Terrasse des Burgrestaurants in Beschlag genommen. Es waren immer rund 15 bis 20 Hunde bei Ihren Herrchen und Frauchen und lagen kreuz und quer zwischen der Bestuhlung umher. Eine wahre „Mutprobe“ für den unbedarften Burgbesucher, der da ahnungslos um die Ecke kam. Allerdings war nach kürzester Zeit das Eis gebrochen. Was das denn für eine tolle Rasse sei, wollte man wissen und wie schwer sind die denn? Sind die nicht gefährlich und viele, viele Fragen zu den Hunden. Alles wurde gerne und bereitwillig beantwortet. Der „Old English Mastiff“, so heißt er richtig, ist eine uralte Hunderasse, die erstmals von einem römischen Geschichtsschreiber im Jahr 94 vor Christi erwähnt wird. Damals hatten Römer gerade Britannien erobert und diese Hunde bei den Kelten entdeckt.

Der Name Mastiff stammt wahrscheinlich aus dem Niederdeutschen und kommt von „Masteve“, was soviel bedeutet wie „großer, plumper Hund“. Nun, gar so plump sind sie aber gar nicht, die „Gentle Giants“, die freundlichen Riesen unter den Hunderassen. Ein Rüde bringt locker 95 bis 100 kg auf die Waage, einige Exemplare auch bis 120 Kilo. Und die Hündin kann auch schon mal 70 bis 80 Kilo aufweisen. In Deutschland leben derzeit etwa 500 bis 600 Exemplare, in Hessen gerade einmal 10. Zum Vergleich: Der Schäferhund als deutsches „Urgestein“ ist erst rund 110 Jahre alt und mit 320000 Tieren die am weitesten verbreitete Rasse hierzulande. „Eigentlich Schade, dass der Mastiff so selten ist. Wenn alle Hunde so wären . . .“, so die Meinung eines Besuchers auf der Ronneburg. Der Mastiff wurde in seiner Heimat Großbritannien im Mittelalter als Jagdhund gegen wehrhaftes Wild (Bären, Wölfe, Wildscheine) eingesetzt; aber auch als Wächter von Haus und Hof leistete er seinen Besitzern stets zuverlässige Dienste. In den mittelalterlichen Feldzügen bewachte er die Heerlager und Wagenburgen vor feindlichen Angriffen. Seinen letzten Einsatz als „Kriegshund“ leistete er im 1.Weltkrieg an der Westfront als Zughund für englische Maschinengewehrwagen ab. Heute ist der Mastiff ein ausgesprochener Familienhund, seine überaus ruhige Art und seine gelassene Erhabenheit, Hunderte von Ronneburg-Besuchern konnten sich davon überzeugen, machen ihn zu einem der beliebtesten Rassehunde überhaupt. Allerdings nur für echte Freunde dieser Rasse. Sein hoher Preis ist die erste Hürde, denn wegen seiner Seltenheit muss man für einen Welpen schon bis zu 2000 Euro rechnen. Auch die politisch bedingt hohen administrativen Hürden bei der Haltung halten seinen Bekanntheitsgrad gering. Immerhin gilt der Mastiff in Hessen als „gefährlich“ Und dies, obwohl bislang noch niemals ein Mastiff negativ auffällig geworden ist! Und weil für die Gefährlichkeit eines Hundes viel mehr als das Tier selbst der verantwortlich ist, der da am andern Ende der Leine steht, müssen die Mastiff-Freunde wohl ganz besonders besonnene, gutmütige und Hunde erfahrene Menschen sein. Um so schöner ist es von den Besitzern der Riesen, dass sie dennoch nach Hessen gereist sind! Zuhause in Hamburg oder Rheinland-Pfalz sind sie ganz normale Hunde. In Hessen ist das anders. Siehe oben. So ist sie halt bisweilen, die Landespolitik in Deutschland. „Nur gut“. meinte einer der Mastiff-Besitzer, „dass sich die hohen Herren mit Wirtschaft, Rente, Arbeitslosigkeit und Krankenkassenbeiträgen besser auskennen als mit Hunden!“ Der Liebe zum Mastiff indes tun auch hessische Gesetze wahrlich keinen Abbruch, wie auf der Ronneburg anschaulich demonstriert wurde. Also zurück zur Ronneburg. Mittags ging es zur Besichtigung der Burg. „Ganz toll ist das gewesen!“, was die nette Führerin den Teilnehmern zur Geschichte da berichtet hat. Und wirklich, jetzt kannte das Erstaunen über so eine tolle Burg keine Grenzen mehr. Man war voll des Lobes für den Förderverein Ronneburg, die Aufnahme wurde durchweg als herzlich empfunden, die Führung war kurzweilig und die Organisation perfekt.
 


Am Nachmittags ging es dann zur Hundeausbildung auf die Burgwiese. Die Jüngsten links von der Burg , die älteren rechts davon. Ging es bei den Welpen spielerisch zu, so waren auf der anderen Seite Hermann Lock und Walter Deinat, zwei exzellente Hundeausbilder, fleißig bemüht, den Teilnehmern jede Menge Kniffs und Wege im Umgang mit dem Hund zu vermitteln. Alle Teilnehmer kamen auf ihre Kosten und die vielen Zuschauer, welche das Geschehen vom Wegrand aus verfolgten, auch. Abends im Tryp-Hotel in Langenselbold beim geselligen Beisammensein, dankte die AG-Obfrau Isolde Schmidt nochmals allen AG-Mitgliedern, den Ausbildern, dem Hauptorganisator Jens Arndt aus Hanau und den Gästen aus dem OEMCD für ihre Aktivitäten. Es wurde bis in den frühen Morgen gefeiert. Am Sonntag stand dann der Besuch in der neuen Falknerei auf der Ronneburg an. Natürlich ohne Hunde, die verblieben, wie am Vortage auch, auf der Terrasse des Burgrestaurants und ließen sich wieder von einer großen Besucherschar bestaunen. Was der Falkner und seine Frau dann vorführten hat die „Hundeleute“ tief beeindruckt. Wo bekommt man schon so perfekte Flugvorführungen der Greifvögel aus allernächster Nähe zu sehen? Der „arme“ Falkner musste denn auch viele, viele Fragen über sich ergehen lassen, die er aber kenntnisreich und bereitwillig beantwortete. Groß war dann das Hallo, als der prominenteste hessische Mastiff-Besitzer, Matthias Dworschak, Mannschaftskapitän von Kickers Offenbach und seit 2003 stolzer Besitzer eines prächtigen Rüden, mit seiner Begleitung zum Treffen kam. Am Samstag hatten die Kickers noch in Stuttgart unentschieden gespielt. Nach einem Imbiss, die ersten Teilnehmer des Treffens mussten sich zeitig auf ihren oft mehrere Hundert Kilometer langen Heimweg machen, ging es noch einmal auf einen Waldspaziergang. Und gegen 16 Uhr am Sonntag war der „Spuk“ auf der Ronneburg vorüber. Die sanften Riesen waren wieder abgereist. Aber eines haben die Mastiff-Freunde nach Hause mitgenommen von diesem Wochenende: Die Aufnahme in Hessen war entgegen allen Befürchtungen eine herzliche. „Wir kommen wieder!“ war denn auch der Tenor. Und so könnte sich die Ronneburg zu einem Treffpunkt der Molosserfreunde werden, die sich mit ihrer uralten Hunderasse in dem ehrwürdigen Gemäuer gut aufgehoben fühlten. Und selbst der hessische Innenminister könnte ungefährdet dort vorbeischauen, denn eines haben die vielen Besucher am Wochenende auf der Ronneburg am allerwenigsten bemerkt: Dass sie es dort mit einer „gefährlichen“ Hunderasse zu tun haben.

ENDE (gez. der Vorstand der AG-Mastiff)

 



24/25. April 2004 auf der Ronneburg

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